«In den USA gibt es mehr Birdwatcher als Golfer»

Aus der ganzen Welt sind Ornithologen, Wissenschaftler, Studierende und Journalisten an die erste globale Birdwatchers-Konferenz angereist. Im indischen Teilstaat Gujarat diskutierten sie, wie die bedrohte Vogelwelt geschützt werden kann.

Dass die Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiete der Vögel Schutz brauchen, ist wohl unbestritten. Doch je mehr Vogelarten vom Aussterben bedroht sind, desto grösser wird auch das Interesse am sogenannten Birdwatching, der Vogelbeobachtung. Dies zeigte sich an der ersten globalen Birdwatchers-Konferenz, die kürzlich in Indien stattfand. Dort diskutierten über 500 Politiker und Fachleute von der ganzen Welt Mittel und Wege zum Schutze der Vogelwelt. Dabei trat die zunehmende Popularität der Vogelbeobachtung eindeutig hervor: «In den USA gibt es mittlerweile mehr Birdwatcher als Golfer», sagte ein Ornithologe aus den Vereinigten Staaten. Diese steigende Beachtung lässt hoffen, dass die Ziele und Anliegen der Vogelschutzorganisationen noch bekannter und breiter akzeptiert werden.
Der Gastgeber, Indiens Teilstaat Gujarat, war zweifellos legitimiert zu diesem von 45 Staaten beschickten Grossanlass: In Gujarat findet man über 500 Vogelarten und 40 Prozent aller in Indien vorkommenden Spezies. Denn gut ein Drittel dieses hochindustrialisierten Gliedstaates sind Feuchtgebiete. Daraus sind dank dem Zusammenspiel der Regierung mit dem in Jamnagar residierenden Grossgrundbesitzer Maharaja Jamsaheb of Nawanagar zahlreiche Schutzgebiete für Vögel entstanden.
Der Maharaja scheint von der Notwendigkeit gezielter Schutzmassnahmen überzeugt zu sein. «Wir müssen den Vögeln Sorge tragen», meinte der charismatische ehemalige Landesfürst und ergänzte: «Sie sind ein sicheres Indiz für den Zustand der Umwelt. Je besser wir sie schützen, desto besser ist unsere Lebensqualität – und sind unsere Zukunftsaussichten.»

Birdwatching-Angebote gemeinsam vermarkten

Die Referenten der ersten globalen Birdwatchers-Konferenz plädierten für eine noch stärkere internationale Zusammenarbeit auch in der Forschung sowie für eine professionelle Betreuung der Vogelbeobachter. Sie müssen von Fachleuten, so die mehrfach geäusserte Ansicht, über die wichtigsten Anliegen und Ziele des Vogelschutzes orientiert werden.
Als ebenso wichtig wurde erwähnt, dass die Birdwatching-Angebote der Reisebüros auf die übrigen Ökotourismus-Programme abgestimmt und gemeinsam vermarktet werden müssten. Dies würde das Interesse weiter steigern und so der Vogelbeobachtung zum eigentlichen Durchbruch verhelfen. Gefragt sind zudem Dokumentationen über die jeweilige Vogelpopulation (sogenannte Checklisten) sowie eine verlässliche Infrastruktur.

Indischer Gliedstaat will internationales Vorbild im Vogelschutz sein Gujarat will auch hier als internationaler Vorreiter aktiv werden. Geplant oder bereits im Bau sind folgende Angebote:

  • Das ganze Jahr offene Zugangswege zu den Vogelschutzgebieten
  • Bau eines auf Vogelbeobachtung ausgerichteten Touristenhotels
  • Bau von drei zusätzlichen Türmen innerhalb der Vogelschutzgebiete zur Beobachtung und zum Schutz der Vögel
  • Zurverfügungstellung von Bussen für den geordneten Transport der Birdwatcher zu den Schutzgebieten und zurück
  • Errichtung eines Orientierungszentrums, das zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur sowie den Vögeln animiert und deren Bedeutung als Teil des gesamten Ökosystems aufzeigt

Insbesondere die Vogelarten in Feuchtgebieten, an Gewässern und im Kulturland geraten weltweit immer stärker unter Druck: Die intensivierte Landwirtschaft, die Trockenlegung wichtiger Feuchtgebiete sowie die steigende Umweltbelastung führen zum Aussterben vieler Vogelarten. Wenn die erste globale Birdwatchers-Konferenz diesbezüglich orientieren und aufrütteln konnte, hat sie ihr Ziel erreicht.