Lagunen, Strand und Sonne

Die philippinischen Palawan-Inseln sind das Traumziel von Tauchern – ökologisch korrekte Ferien sind garantiert

Die Szenerie ist so opulent und exotisch, dass James Bond hier ausgezeichnete Figur machen würde. Dichter Mangrovendschungel reicht fast bis zum Strand. Tiefland- und Bergregenwälder sind beeindruckend und das Meer und der Himmel blauer als jeder Prospekt. Die Stützen der ins Meer hinausgebauten Hotelbungalows wirken wie dünne Pelikanbeine. Und wie von einem Regisseur aufgeboten, schlürfen braun gebrannte Strandnixen an der Hotelbar Cuba libre oder Piña Colada. Von irgendwoher säuseln Violinklänge durch die Luft und lassen vergessen, dass man sich 20 Flugstunden vom Schweizer Schmuddelwetter entfernt befindet. Im Niemandsland zwischen Südchinesischem Meer und Sulusee, auf Palawan, 500 Kilometer südwestlich der philippinischen Hauptstadt Manila. Am Horizont erspäht man die wuchtigen Nachbarinseln, imposante, steil aufragende Eilande aus Kalkstein. Sie sehen aus, als hätte ein Riese gigantische Felsbrocken ins Meer geschleudert. Passt so gut ins Bond-Klischee wie die Schönen an der Bar.

In Küstennähe trifft man immer wieder auf Seekühe

Die 45 zu Palawan gehörenden Inseln des Bacuit-Archipels sind ganz nach dem Geschmack verwöhnter Weltenbummler: türkis- blaue Lagunen, malerische Buchten, kristallklares Wasser, menschenleere Strände. Hier gibt es lediglich zwei exklusive Resorts. Sie gehören zur El-Nido-Gruppe und sind nur per Boot erreichbar. Kürzlich wurden sie mit einem Umweltpreis der Asean-Staaten ausgezeichnet. In den Hotels wird nichts weggeworfen, Plastik aufs Minimum beschränkt, Wasser gespart und natürliches Baumaterial verwendet. Der perfekte Ort, um ökologische Ferienträume zu realisieren, mitten in einem 96.000 Hektar grossen Naturschutzgebiet, das selbst für die Philippinen In Küstennähe trifft man immer wieder auf Seekühe mit mehr als 7000 meist unbewohnten Inseln einmalig ist. Die El Nido Marine Reserve beherbergt Fische, Meeressäuger und eine Vielzahl von Korallen in allen Farben und Formen. Auf Schritt und Tritt wird der Besucher über die Artenvielfalt orientiert.
Es sollen sich im Meer über 200 tropische Fischarten tummeln. 100 verschiedene Korallenarten sowie drei Arten gefährdeter Meeresschildkröten leben hier. In küstennahen Gewässern kann man hin und wieder Seekühe antreffen, eine immer rarer werdende Spezies, die zu den Sirenentieren zählt. Sie frisst ausschliesslich Pflanzen. Schenkt man den Matrosen Glauben, sollen Seekühe mit ihrem verführerischen Gesang viele Seemänner ins Verderben gestürzt haben. Eine besondere Attraktion bilden auch die gelegentlich auftauchenden Haifische, die niemand erwartet. Beispielsweise die Honeymooner aus Kyoto, die sich im Meer vor El Nido die Gelegenheit zum gemeinsamen Tauchen nicht entgehen lassen. Rein ins kühle Nass vom Ausflugsboot aus, das in Ufernähe den Anker geworfen hat. Plötzlich flitzt ein anderthalb Meter langer Hai neben den Flitterwöchnern vorbei und sorgt für den ersten gemeinsamen Schrecken im taufrischen Eheleben.

Fernando, Guide und Bootsführer, lacht nur. «Die Schwarzspitzen-Riffhaie sind harmlos. Freut euch, dass ihr einen von ihnen gesehen habt. Das bringt Glück!» Schwarzspitzen-Riffhaie, erkennbar an der schwarzen Spitze der Flossen, findet man oft im flachem Wasser auf Patrouille. Deren Ungefährlichkeit vermag die beiden Turteltauben nicht zu überzeugen. Bleich klettern sie ins Boot zurück und nehmen sich schützend in die Arme.
Die andere hier vorkommende Haiart, der sich von Plankton ernährende Walhai, ist ebenfalls ungefährlich, auch wenn er wegen seiner Länge von bis zu 15 Metern Respekt einflösst. Man findet ihn in der El Nido Marine Reserve allerdings sehr selten. Extrem rar sind auch die Bartenwale, ganz im Gegensatz zu den Delfinen, die manchmal in Grossformation mit bis zu 50 Exemplaren unterwegs sind und die Boote eskortieren.

Sonnenuntergang: Natur sorgt für kitschige Übertreibungen

Nach unzähligen Entdeckungen mahnt Fernando zum Aufbruch, damit das Buffet im Resort nicht ohne die Bootstouristen stattfindet. Als wir im Hafen einlaufen, hat die untergehende Sonne den Himmel blutrot gefärbt und das Indigoblau des Ozeans in ein schillerndes Farbmusterbuch verwandelt. Die Natur sorgt für kitschige Übertreibungen. Während die Ausflügler die Taucherausrüstungen im Depot versorgen, macht sich eine Hochzeitsgesellschaft zur Abfahrt bereit. Eine halbe Bootsstunde entfernt wartet in einer windgeschützten Lagune eine Plattform auf die muntere Schar. Vor allem Japanern schätzen Palawan als Ziel für Hochzeitsreisen. Die meisten dürften jedoch nicht wissen, dass in der Provinz Palawan zahlreiche japanische Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg ruhen – Kriegsschiffe, die 1944 versenkt wurden. Abenteurer und Entdecker unternehmen nicht ungefährliche Tauchgänge zu Dutzenden versunkener Schiffe.
Die Touristiker von Palawan setzen auf Natur, Wassersport, Wellness – und gehobene Hotellerie. Alles andere hat auf der Insel nichts zu suchen, schon gar keine fleischlichen Sünden. Das Schmuddelimage hat die Philippinen lange Zeit wie ein billiges Parfüm umgeben und sie in Misskredit gebracht. Allerdings haben es die in Palawan existierenden Resorts mitten in paradiesischer Abgeschiedenheit einfacher als anonyme Stadthotels, entsprechende Standards durchzusetzen. Die drei berühmten Ferien-S stehen hier nur für strahlende Sonne, perfekten Strand und moralische Sauberkeit.